2025 ist ein Ausnahmejahr für die Schweiz – zumindest, was die Dichte an Gross- und Megaevents betrifft. Noch nie fanden innerhalb weniger Monate so viele sportliche und kulturelle Grossveranstaltungen im ganzen Land statt. Der Eurovision Song Contest, die Fussball-Europameisterschaft der Frauen (WEURO), das Eidgenössische Turnfest und das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest sind nur einige der Highlights. Hinzu kommen weitere grosse Anlässe wie Festivals, internationale Wettkämpfe und Kulturevents. Dieses Eventjahr verspricht Emotionen, Begeisterung – aber auch Herausforderungen.
Nachhaltigkeit auf dem Prüfstand
Solche Grossanlässe bringen Millionen Menschen zusammen – und damit enorme Anforderungen an die Organisation, Infrastruktur und nicht zuletzt die Nachhaltigkeit. Eine ressourcenschonende Durchführung ist längst nicht mehr nur ein «nice to have», sondern ein zentrales Kriterium für die gesellschaftliche Akzeptanz und die Zukunftsfähigkeit solcher Events.
Die grössten Hebel: Anreise und Verpflegung
Im Hinblick auf den CO₂-Fussabdruck sind zwei Faktoren besonders entscheidend: die Anreise und die Verpflegung. Bis zu 80 % der veranstaltungsbezogenen Treibhausgasemissionen entstehen typischerweise durch den Transport der Besucher:innen – vor allem dann, wenn viele mit dem Auto oder Flugzeug anreisen.
Umso erfreulicher ist die Initiative der SBB, 1’600 Extrazüge für das Eventjahr 2025 bereitzustellen (Link). Diese Massnahme ist mehr als nur ein logistisches Kunststück – sie ist ein zentraler Beitrag zur Nachhaltigkeit. Vor allem, wenn wie bei der WEURO, die 700’000 Eintrittstickets die gratis Nutzung des öffentlichen Verkehrs beinhalten.
Auch bei der Verpflegung können Grossevents punkten oder verlieren: Regionale, pflanzenbasierte Angebote, Mehrwegsysteme und der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung machen hier den Unterschied. Wer über Nachhaltigkeit spricht, muss also auch über das Menü sprechen.
«Legacy» – nachhaltiger Effekt oder PR-Instrument?
Immer mehr Veranstalter:innen setzen auf sogenannte Legacy-Projekte: Initiativen, die über den Event hinaus Wirkung entfalten sollen – etwa im Bereich Jugendförderung, Sportinfrastruktur, Inklusion oder Umweltbildung.
Diese Bestrebungen sind zu begrüssen. Doch es lohnt sich, genau hinzuschauen: Werden die Projekte ernsthaft und langfristig betrieben und so wirklich zu einem Vermächtnis? Oder dienen sie dem Image? Die Gefahr besteht, dass Legacy zum Feigenblatt verkommt – gut gemeint, aber mangelhaft umgesetzt. Besonders dann, wenn gleichzeitig andere Nachhaltigkeitsziele (z.B. emissionsarme Mobilität oder faire Arbeitsbedingungen) auf der Strecke bleiben. Legacy muss Teil einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie sein.
Verantwortung und Chance zugleich
Die Schweiz hat als Eventland eine grosse Verantwortung – nicht nur gegenüber der Natur und den Steuerzahlenden, sondern auch als Vorbild für andere Länder. Wenn es gelingt, Events dieser Grössenordnung ressourcenschonend, sozial gerecht und wirtschaftlich tragfähig zu gestalten, kann 2025 als Vorzeigebeispiel in die Geschichte eingehen.
Jede Veranstaltung ist dabei auch eine Chance: für lokale Wertschöpfung, für die Förderung des Ehrenamts, für neue Standards in der Veranstaltungsorganisation. Voraussetzung ist allerdings: Nachhaltigkeit muss mitgedacht und mitgemacht werden. Von Anfang an.
Fazit: Das Eventjahr 2025 wird ein Kraftakt. Aber auch eine Bühne, auf der die Schweiz zeigen kann, wie moderne, nachhaltige Veranstaltungen gelingen.